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29. April 2016

Freitagmorgen hatte ich langsam realisiert, dass das Baby in meinem Bauch nicht mehr lebt. Am Abend zuvor ließ ich das verschriebene Progestan weg. Ein Schritt, den mir der Arzt nicht genannt hat!

Ich rief früh morgens im Krankenhaus an.

Ich: "Guten Morgen, ich habe eine Überweisung von meinem Gynäkologen bekommen, weil ich eine missed abortion habe. Er sagte, ich soll vorher bei Ihnen anrufen und einen Termin zur Ausschabung ausmachen."

Krankenschwester: "Eine Kürettage? Also, wir sind hier im Moment total voll. Da muss ich mal nachsehen... nee, also ich könnte Ihnen erst am 23. Mai einen Termin geben. In welcher Woche sind Sie denn?"

Ich: "Ich wäre in der 9. Woche, aber das Baby hat ja keinen Herzschlag mehr."

Krankenschwester: "9. Woche? Nee, da ist der 23. Mai zu spät. Da sind sie dann ja schon übr der 12. Woche. Da dürfen wir das nicht mehr."

Ich: "Aber ich habe eine missed abortion! Das Herz vom Baby schlägt nicht mehr. Ich hab die Überweisung bekommen, weil das Baby nicht mehr lebt!"

Krankenschwester: "Wir sind voll, ich kann Sie nicht zwischenschieben. Am 23. Mai oder sie müssen sich ein anderes Krankenhaus suchen. Tschüss!"

Damit legte sie auf. Ich saß da, starrte das Telefon an und war einfach nur geschockt. Hatte diese Frau trotz mehrmaligem nennen der Begriffe "missed abortion" und "kein Herzschlag" gedacht, ich wolle eine Abtreibung? Hörte man mir denn nicht an, dass ich mit den Tränen kämpfte, sobald ich über mein so sehr geliebtes totes Baby reden musste? Ich fühlte mich so machtlos, so unverstanden, so hilflos.

Schließlich rief ich bei meinem Arzt an, die medizinische Fachangestellte, die ich sehr gerne mag, wäre fast vom Stuhl gefallen, als ich ihr von dem Gespräch mit dem Krankenhaus erzählte. Sie empfahl mir, einfach in die Notaufnahme zu fahren. Sie hatte mir ja eine Notfallüberweisung gegeben und damit durfte mich das Krankenhaus nicht wieder wegschicken.

Trotz schlechtem Gefühl, da ich wusste, dass ich dieser Frau vom Telefon im Krankenhaus begegnen würde, machten mein Mann und ich uns fertig und fuhren los. Im Auto kam mir schließlich die Idee, meine Hebamme nach einem anderen Krankenhaus zu fragen, weil ich ungern dorthin wollte, wo man mich zuvor so mitgefühlslos abgewiesen hatte. Sie antwortete sofort: ich solle auf keinen Fall in die Notaufnahme fahren und sie ruft mich gleich an.

Wir hielten auf einem Parkplatz und warteten auf den Anruf. 

Hebamme: "Es tut mir so leid, dass das passiert ist! Aber hör mal, du musst jetzt nicht sofort ins Krankenhaus. Ich möchte dir das wirklich gern ersparen. Die Hektik da, die Narkose. Das ist kein schönes Ende für deine erste Schwangerschaft. Überleg dir, ob es eine Option für dich wäre, das zuhause durchzustehen und..."

Ich: "Oh, das ginge?! Ich wollte es auf natürlichem Weg bekommen, aber der Arzt hat die Ausschabung als einzige Möglichkeit genannt."

Hebamme: "Das machen die meisten Ärzte leider. Die sehen nur den körperlichen Teil - und der ist mit einer OP schneller erledigt. Ärzte sehen nicht die Seele. Überleg es dir. Und selbst wenn dir die OP letztendlich doch lieber ist, reicht das am Montag. Nehmt am Wochenende erst mal Abschied von eurem Baby. Überstürzt da bitte nichts."

Ich war ihr in diesem Moment so endlos dankbar! Das Gespräch war natürlich deutlich länger, es dauerte 12 Minuten. Sie machte mir Mut, versprach mir, nächste Woche zu mir zu kommen, mich in dieser Zeit zu begleiten, sie schickte mich zum Hausarzt, damit ich eine Krankschreibung bekomme.

Über zwei Stunden saß ich beim Hausarzt im Wartezimmer, meinen Mann immer noch bei mir, der zum Glück Spätdienst hatte und in dieser Ausnahmesituation später anfangen konnte. Und meine Mutter saß ja auch im Auto und würde am frühen Nachmittag da sein. Meine Hausärztin war nicht begeistert von der Idee, die Fehlgeburt zuhause passieren zu lassen und schrieb mich widerwillig über das Wochenende bis einschließlich Montag krank. 

Mein Mann brachte mich nach Hause und fuhr zur Arbeit. Etwa eine Stunde später war meine Mutter da. Das war nicht nur psychologisch sehr wichtig für mich, sondern auch für die bevorstehenden Tage gut. Man sollte während der Fehlgeburt nicht ganz allein sein, weil der Kreislauf absacken oder die Schmerzen bzw. die Blutung zu stark werden könnten. Für den Fall sollte natürlich jemand da sein, der die Frau ins Krankenhaus bringen oder einen Arzt rufen kann.

Nach noch mehreren Telefonaten mit der Hebamme beruhigte ich mich etwas und wir machten uns einen einigermaßen schönen Abend. Wir kochten gemeinsam, spielten Gesellschaftsspiele,...

Noch ging es mir ja gut, ich hatte keine Schmerzen, keine Blutung, mein Körper war noch auf "schwanger" eingestellt.

15.5.16 15:48
 


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